• Nina Hartmann
  • 20.07.2025

5 Tipps für die weibliche Nachfolge

Nachfolge im Familienunternehmen: 5 Tipps für Frauen.

5 Tipps für die weibliche Nachfolge

5 Tipps für eine gelungene Nachfolge als Frau

Eine Unternehmensnachfolge ist kein romantischer Staffelstab, sondern ein komplexer Übergang von Macht, Verantwortung, Beziehungen und Vermögen. Frauen stehen dabei oft zusätzlich in der Zwickmühle zwischen Loyalität, Erwartungen und dem eigenen Anspruch, es „richtig“ zu machen. Und unsere inneren Stimmen sprechen dabei natürlich auf Hochtouren mit. Diese fünf Punkte machen den Unterschied zwischen „irgendwie übernommen“ und wirklich angekommen. Denn weibliche Nachfolge hat noch einmal eine besondere Note.

1) Kläre Rolle, Mandat und Entscheidungsmacht – schriftlich

Nachfolge scheitert selten am Können, häufig an unklarer Autorität. Wenn operative Verantwortung nicht mit echter Entscheidungsmacht zusammenfällt, entsteht Dauerstress: Verantwortung ohne Zugriff. Und da steckt die ganze Klaviatur der Psychologie drin. Gerade wir Frauen wollen unsere Väter und Mütter nicht enttäuschen und sie nicht verletzen. Wir wollen für sie sorgen und sie emotional stabil sehen und dann kommen gerade wir und müssen schwere Entscheidungen treffen, Themen anders organisieren und neu aufsetzen.

Konsequent umsetzen:

  • Zuständigkeiten und Entscheidungskompetenzen definieren (inkl. Budget, Personal, Strategie).
  • Übergangsphase mit Meilensteinen festlegen: Was endet wann? Was bleibt wie lange?
  • Schriftliche Vereinbarungen statt „wir schauen mal“.
  • Und dann kommt ganz viel Fingerspitzengefühl dazu. Wertschätzung, Diplomatie und immer wieder das große Ganze.

2) Verhandle Erwartungen offen – insbesondere in Familienunternehmen

Frauen werden in Nachfolgen oft stärker über Beziehung und Harmonie geführt als über Rolle und Leistung. Das rächt sich später: unterschwellige Vorwürfe, Loyalitätskonflikte, Mikromanagement.

Konsequent umsetzen:

  • Erwartungsabgleich mit allen Schlüsselpersonen: Vorgänger:in, Familie, Beirat, Führungsteam.
  • Tabuthemen aktiv ansprechen: Anerkennung, Einfluss, Geld, Sichtbarkeit.
  • Ein klarer Satz hilft: „Ich übernehme Verantwortung – dann brauche ich auch die entsprechende Handlungsfreiheit.“ Gepaart mit viel Empathie.

3) Mach die Übergabe steuerlich, rechtlich und finanziell „wasserdicht“

Nachfolge ist auch Vermögensarchitektur. Wer hier zu weich oder zu spät handelt, zahlt später: steuerlich, rechtlich, emotional.

Konsequent umsetzen:

  • Struktur prüfen: Gesellschaftsform, Beteiligungen, Stimmrechte, Nießbrauch/Versorgungsmodelle.
  • Notfall- und Vertretungsregelungen aufsetzen (Testament/Erbfolge/Prokura/Bankvollmachten).
  • Finanzierung, private Absicherung und Liquidität parallel planen (nicht „nach der Übergabe“).

Aber für mich immer ganz wichtig. Erst kommt die Psychologie und dann die Steueroptimierung.

4) Gewinne dein Führungsteam – bevor du alles verändern willst

Der häufigste Fehler: neue Chefin, neues Programm, aber keine belastbaren Bündnisse. Vertrauen ist die Währung in Übergängen. Die Menschen, die bereits da sind, haben viel geleistet und fürchten nun um ihren Einfluss und ihre Privilegien. Sie kennen uns oft bereits seit wir Kinder sind und nun sollen wir ihre Chefin sein? Ihnen Wertschätzung und Zeit einzuräumen ist immer gut. Manchmal muss man trotzdem Dinge verändern. Denn zu viel „alte Welt“ lässt Veränderungen oft nicht zu.

Konsequent umsetzen:

  • 1:1-Gespräche mit Schlüsselpersonen: Was läuft? Was blockiert? Was wird gebraucht? Schmerzpunkte erkennen.
  • 90-Tage-Plan statt „große Transformation“ am Anfang.
  • Klare Standards setzen: Kommunikation, Entscheidungswege, Verantwortlichkeiten.
  • Geduld haben. Veränderungsprozesse brauchen auch Reifezeit.

5) Stärke deine innere Autorität – sonst frisst dich das System

Viele Frauen übernehmen fachlich stark – und kämpfen innerlich mit „Darf ich das? Bin ich genug? Muss ich es allen recht machen?“ Nachfolge triggert alte Muster: Anpassung, Perfektionismus, Harmoniezwang. Die innere Kritikerin in uns schürt unsere Zweifel. Um dem gerecht zu werden, werden wir manchmal zu hart und zu streng. Je mehr wir selbst in Balance sind, desto ruhiger und klarer können wir agieren.

Konsequent umsetzen:

  • Ein persönlicher „Nicht-verhandelbar“-Katalog: Wofür stehe ich? Was dulde ich nicht?
  • Sparringspartner:in/Coach/Mentorin: nicht zum Trösten, sondern zum Klarziehen. Dafür steht meine 1:1 Sinnplauderei.
  • Entscheidungspraxis: lieber 10 gute Entscheidungen als 1 perfekte.

Kurzfazit

Gelungene Nachfolge heißt: Mandat klären, Erwartungen verhandeln, Struktur sichern, Führungsteam gewinnen, innere Autorität aufbauen. Dann wird aus „übernommen“ ein echtes Ankommen. Und aus Ankommen ein echtes Gestalten und dann macht es richtig Spaß!