Familie und Streit im Familienunternehmen: Wenn Teilen plötzlich existenziell wird
(und warum innerer Frieden am Ende wichtiger ist als „Gerechtigkeit“)
Familie und Streit – das kann teuer werden. Sehr teuer. Und es kostet fast immer mehr als Geld: Lebensenergie, Gesundheit, Klarheit, Beziehungen. Im Familienunternehmen kommt noch etwas dazu: Jeder Konflikt hat nicht nur eine emotionale, sondern auch eine unternehmerische Dimension. Streit lähmt Entscheidungen, blockiert Wachstum, zerstört Vertrauen, vergrault Mitarbeitende – und im schlimmsten Fall das Unternehmen selbst.
Dabei beginnt es oft ganz unspektakulär: mit dem uralten Geschwisterthema „Teilen“.
Teilen ist nie nur Mathematik
Wer mit Geschwistern aufgewachsen ist, kennt das Muster. Es geht selten nur um das Objekt (Spielzeug, Aufmerksamkeit, Anerkennung). Es geht um den dahinterliegenden Satz: „Werde ich fair behandelt?“ und noch tiefer: „Werde ich gesehen?“ „Werde ich geliebt?“
Im Familienunternehmen wird aus dieser alten Dynamik plötzlich ein juristisch und finanziell hochkomplexes Feld. Häufig sind es vier Kinder. Unterschiedliche Lebensentwürfe, unterschiedliche Nähe zum Betrieb, unterschiedliche Beiträge – und häufig: unterschiedliche Erwartungen.
Und dann wird aus Familiengeschichte ein rechtliches System mit harten Begriffen:
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Pflichtteilsergänzungsansprüche
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Vermächtnisse
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Abfindungen
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Bewertungsfragen
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Ausgleichszahlungen
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gesellschaftsrechtliche Mitspracherechte
Was viele unterschätzen: Diese Konflikte werden nicht „nur“ juristisch geführt. Sie sind emotional aufgeladen. Und je länger sie dauern, desto höher sind die verdeckten Kosten.
Die wahren Kosten: verdeckt, aber brutal
Juristische Auseinandersetzungen kann man beziffern. Notar, Anwälte, Gutachten, Verfahren, Zeit. Aber die eigentliche Rechnung kommt oft später – und sie ist schwerer zu bezahlen:
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Familienkontakte brechen ab oder werden frostig und funktional
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Treffen sind von Spannung durchzogen („wir reden über alles – nur nicht darüber“)
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Das Unternehmen wird zum Schlachtfeld alter Rollen
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Entscheidungen werden aus Angst getroffen, nicht aus Strategie
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Der Nachwuchs schaut zu und lernt: „Familie = Risiko“
Der Punkt ist: Konflikte, die ungelöst bleiben, fressen Energie. Und Energie ist die Währung, die Unternehmertum überhaupt erst möglich macht.
Instrumente, die Druck aus dem System nehmen können
Es gibt keine Wunderwaffe. Aber es gibt Instrumente, die dabei helfen können, Konflikte zu entschärfen oder Pattsituationen zu beenden – ohne dass jemand als „Verlierer“ zurückbleibt (oder ohne dass der Preis dafür das ganze Familiensystem ist).
Zwei Begriffe tauchen dabei aus dm Ausland auf: Phantom Stocks und Texas Shoot-out.
1) Phantom Stocks: wirtschaftliche Beteiligung ohne Gesellschafterkrieg
Phantom Stocks (auch „virtuelle Anteile“) sind keine echten Geschäftsanteile. Sie sind vertraglich zugesicherte wirtschaftliche Beteiligungsrechte, ohne dass jemand Gesellschafter wird.
Was das praktisch bedeutet:
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Beteiligung am Erfolg (z. B. Gewinn oder Wertsteigerung)
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häufig gekoppelt an bestimmte Ereignisse (Exit, Verkauf, bestimmte Meilensteine)
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keine Stimmrechte
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keine Gesellschafterstellung
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kein Einfluss auf operative Entscheidungen
Das ist besonders wertvoll, wenn es Geschwister gibt, die nicht operativ oder unternehmerisch eingebunden sein wollen (oder sollen), aber trotzdem einen fairen wirtschaftlichen „Platz“ brauchen. Phantom Stocks können also helfen, Zugehörigkeit über Wertschätzung abzubilden – ohne die Handlungsfähigkeit des Unternehmens zu gefährden.
2) Texas Shoot-out: harte Lösung für harte Blockaden
Das Texas Shoot-out ist ein Mechanismus zur Lösung von Deadlocks – also Situationen, in denen Gesellschafter sich blockieren und nichts mehr vorangeht.
Das Prinzip ist brutal einfach:
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Eine Partei nennt einen Preis pro Anteil.
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Die andere Partei muss entscheiden: Kaufen zu diesem Preis – oder verkaufen zu diesem Preis.
Der psychologische Effekt ist der entscheidende: Wer einen unrealistischen Preis setzt, riskiert, dass der Preis gegen ihn selbst läuft. Dadurch entsteht ein Zwang zur Realitätsnähe. Es ist kein „harmonisches“ Instrument – aber es kann verhindern, dass eine Pattsituation jahrelang das Unternehmen ausblutet.
Das Wiesbadener Modell: weit verbreitet, weil es Struktur schafft
In vielen Familienunternehmen ist auch das Wiesbadener Modell ein Begriff, der regelmäßig auftaucht. Es wird häufig genutzt, um Strukturen zu schaffen, die Vermögen, Versorgung und Unternehmenshandlungsfähigkeit miteinander in ein tragfähiges Verhältnis bringen.
Wichtig dabei: Ein Modell ist nie die Lösung „an sich“. Es ist eine Struktur. Entscheidend ist immer, ob diese Struktur zur Familie passt – und ob sie die eigentlichen Themen adressiert, statt sie zu überdecken.
Der Kern: Es geht nicht um Gerechtigkeit – es geht um Frieden
Und hier wird es unbequem: Viele Familien kämpfen um Gerechtigkeit, aber meinen eigentlich etwas anderes.
Denn „Gerechtigkeit“ im mathematischen Sinn funktioniert in Familien selten.
Warum?
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Weil Lebenswege nicht vergleichbar sind.
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Weil Beiträge unterschiedlich sind (sichtbar und unsichtbar).
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Weil die Bedürftigkeit nicht symmetrisch ist.
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Weil Anerkennung nicht in Prozentanteilen messbar ist.
Was aber möglich ist: innere Stimmigkeit. Ein Gefühl von: „Ich wurde gesehen. Ich bin respektiert. Ich habe einen Platz.“
Und das ist der Punkt, an dem juristische Konstruktionen plötzlich psychologisch werden: Die beste Regelung ist nicht die, die auf dem Papier perfekt ist. Sondern die, die das Familiensystem befriedet, ohne das Unternehmen zu beschädigen.
Was ich immer wieder sehe: Die Lösung beginnt mit einem Perspektivwechsel
Wenn Familien in diesen Prozessen scheitern, scheitern sie selten am fehlenden Werkzeug. Sie scheitern an einem Denkfehler:
Sie verhandeln Zahlen, wo sie eigentlich Beziehung verhandeln.
Die Lösung beginnt dort, wo folgende Fragen ehrlich beantwortet werden:
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Wer braucht wirklich Einfluss – und wer braucht nur Sicherheit?
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Wer will dazugehören – und wer will frei sein?
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Was ist das eigentliche Schmerzthema: Geld, Anerkennung, Loyalität, Angst?
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Welche Regelung ist nicht „fair“, aber tragfähig?
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Wofür soll das Unternehmen in der Familie stehen: Machtzentrum oder gemeinsames Projekt?
Fazit: Geld kann viel regeln. Aber nicht alles.
Ja, es geht um Pflichtteile, Vermächtnisse, Bewertungen, Verträge. Und ja: Man muss das sauber gestalten. Professionell, rechtssicher, vorausschauend.
Aber wenn man glaubt, dass ein Vertrag allein die Familie befriedet, unterschätzt man die Dynamik.
Am Ende geht es darum:
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jedes Familienmitglied zu sehen
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wertschätzend zu behandeln
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und Lösungen zu finden, mit denen alle gut leben können
Gerechtigkeit gibt es nicht.
Aber inneren Frieden.
Und der ist mit Geld nicht zu bezahlen.
Wenn du willst, unterhalten wir uns darüber in der Sinnplauderei. Gerne unterstütze ich auch aus dem Beirat heraus: nina.hartmann@sinnplauderei.de
Arthur
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